Weinsteinbackpulver taucht immer öfter in Backrezepten auf – besonders in Rezepten, die mit natürlichen oder weniger verarbeiteten Zutaten arbeiten. Im Reformhaus steht es schon lange, inzwischen findet man es auch in vielen gut sortierten Supermärkten.
Aber was ist das eigentlich genau? Und macht es wirklich einen Unterschied?
Was Weinsteinbackpulver ist
Normales Backpulver besteht aus Natriumbicarbonat (Natron), einer Säure – häufig Natriumsäurepyrophosphat oder ähnliche Verbindungen – und Stärke als Trennmittel.
Weinsteinbackpulver verwendet stattdessen Weinstein (Kaliumhydrogentartrat) als Säurekomponente. Weinstein ist ein natürliches Nebenprodukt der Weinherstellung, das sich als Kristalle an den Innenwänden von Weinfässern absetzt.
Das ist der wesentliche Unterschied: nicht das Natriumbicarbonat, das ist bei beiden gleich – sondern die Säure, die mit ihm reagiert.
Warum einige Menschen Weinsteinbackpulver bevorzugen
Herkömmliches Backpulver enthält synthetische Säuremittel wie Natriumsäurepyrophosphat oder Diphosphate. Einige Menschen reagieren empfindlich auf diese Stoffe oder möchten sie aus anderen Gründen meiden.
Weinstein dagegen ist ein natürlicher Stoff ohne E-Nummer-Diskussion. Wer auf Phosphate verzichten möchte – zum Beispiel bei bestimmten Nierenerkrankungen oder aus persönlicher Präferenz – ist mit Weinsteinbackpulver gut bedient.
Dazu kommt, dass Weinsteinbackpulver bei manchen Menschen als geschmacklich neutraler empfunden wird. Normales Backpulver hinterlässt bei Überdosierung gelegentlich einen leicht seifigen oder mineralischen Nachgeschmack – beim Weinsteinbackpulver ist das seltener der Fall.
Treibt es besser?
Das ist die Frage, die viele stellen. Und die Antwort ist: nicht per se. Der Triebeffekt – die Menge an Kohlendioxid, die freigesetzt wird – ist bei gleicher Dosierung vergleichbar.
Was es jedoch gibt: Weinsteinbackpulver reagiert etwas gleichmäßiger und stabiler bei höheren Temperaturen. Bei bestimmten empfindlichen Teigen kann das zu einem etwas konsistenteren Aufgang führen. Aber der Unterschied ist in den meisten Alltagsrezepten gering und für die meisten Hobbybäcker kaum spürbar.
Dosierung
Weinsteinbackpulver wird in derselben Menge verwendet wie normales Backpulver. Ein Päckchen Weinsteinbackpulver (ebenfalls meist 15 g) auf 500 g Mehl – die Faustregel ist identisch.
Es ist also kein Umrechnen nötig. Wer von normalem Backpulver auf Weinsteinbackpulver wechselt, kann das 1:1 tun.
Kann man Weinsteinbackpulver selbst herstellen?
Ja – und das ist ein Vorteil, den nicht jeder kennt. Man mischt einfach zwei Teile Weinstein (Kaliumhydrogentartrat, im Backbedarfshandel oder Reformhaus erhältlich) mit einem Teil Natron. Das ergibt funktionell dasselbe wie fertiges Weinsteinbackpulver.
Wer die Zutaten zu Hause hat, kann sich damit das fertige Produkt sparen. Die Reaktionseigenschaften sind nahezu identisch.
Wann lohnt sich der Wechsel – und wann nicht?
Wer Phosphate meiden will, auf natürliche Zutaten setzt oder den Geschmack von Weinsteinbackpulver bevorzugt: lohnt sich.
Wer einfach nur einen luftigen Rührkuchen backen will und mit normalem Backpulver zufrieden ist: kein Grund zu wechseln. Das Ergebnis ist praktisch identisch.
Der Unterschied zwischen Backpulver und Natron allgemein – und wann man welches wählt – ist im Artikel über Backpulver vs. Natron ausführlicher erklärt.
